Seit kurzem steht am Stubentor das Kunstwerk "Lueger temporär". Auf jahrelange, aktivistische Proteste, gegen das Denkmal des umstrittenen Wiener Bürgermeisters der Jahrundertwende, reagierte die Stadt diesen Herbst vorerst mit einer temporären Kunstinstallation von Nicole Six und Paul Petritsch. Diese greifen das viel diskutierte Thema neu und breiter an, und beschäftigen sich mit der Nachwirkung von politischer Propaganda.
Wie in einem Museums-Depot lagern farbige Umrisse der noch immer zahlreichen Objekte und Denkmäler, die dem Bürgermeister Lueger gewidmet sind, dort wahllos nebeneinander. Den Großteil der zitierten Objekte hat sich Lueger übrigens selbst und während seiner Amtszeiten errichten lassen. Objekte aus Stein und Metall, der politischen Propaganda dienend, die heute meist unter Denkmalschutz stehen. Interessant ist, dass die von Aktivisten kritisierte Statue (von 1929) am Lueger Platz, tatsächlich eines der wenigen posthumen Ehrenzeichen ist. Errichtet einem Bürgermeister, einer Stadt, die sich in jener Epoche (und seiner Amtszeit) zu einer der bedeutendsten Mega-Cities der westlichen Welt entwickelt hatte.
Auch das Lueger–Relikt im Bezirk Margareten wird in „Lueger Temporär“ dargestellt. Der rosa Umriss vorne rechts zeigt die Silhouette des bekannten Bezirks-Brunnens am Siebenbrunnenplatz, in dessen Mitte 1904 ein Portraits Luegers angebracht wurde.
Tatsächlich steckt hinter dieser Tafel am Siebenbrunnen noch weitaus mehr Geschichte:
Kaum jemand weiß, dass der aufstrebende Politiker Karl Lueger seine erste dezidiert antisemitische, öffentliche Rede als Reichratsabgeordneter in unserem Bezirk, in Margareten, gehalten hat; nachdem er die Entscheidung getroffen hat, den damals wachsenden Judenhass für seinen Weg ins Bürgermeisteramt politisch zu instrumentalisieren.
Die Geschichtsbücher erzählen davon. Die Tafel am Siebenbrunnen Platz noch nicht.
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